Stagflation

Was ist eine Stagflation?

Bei der Stagflation handelt es sich um die Kombination der Phänomene Stagnation (Nullwachstum) und Inflation. Das bedeutet, dass gleichzeitig eine stagnierende Konjunktur und eine hohe Inflation vorliegen. Dieses Phänomen konnte in den 1970er Jahren beobachtet werden, verursacht durch enorm gestiegene Ölpreise, mit der Folge wirtschaftlichen Stillstands. Stagflation wird daher primär bei stark gestiegenen Energiepreisen diskutiert. Was sind also Ursachen und Folgen sowie vergleichbare Szenarien einer Stagflation.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen einer Stagflation

Verursacht wird eine Stagflation zumeist von einem makroökonomischen Schock, also einem Angebotsschock. Wenn es beispielsweise Konflikte im Nahen Osten oder Corona-Wellen gibt, kann beispielsweise der Ölpreis plötzlich stark ansteigen, was die Produktionskosten anderer Güter erhöht. Unternehmen müssen deshalb die Produktion zurückfahren, die Nachfrage bleibt allerdings meistens gleich. Da die Nachfrage im Vergleich zum Angebot nun höher ist, steigt der Preis deutlich. Die Wirtschaft verliert dadurch an Wachstum, während Arbeitslosigkeit und Inflation steigen.
Wenn sich bereits eine Inflationserwartung abbildet, kann dies eine Lohn-Preis-Spirale hervorrufen. Hierbei reagieren Gewerkschaften aufgrund der steigenden Preise für Lebenshaltung mit der Forderung einer Lohnerhöhung. Das bedeutet im Endeffekt höhere Ausgaben für das Unternehmen, die diese wieder auf ihre Produkte und Dienstleistungen addieren. Dies führt wiederum zu höheren Lebenshaltungskosten, die Lohn-Preis-Spirale beginnt.

Auswirkungen einer Stagflation in der Geschichte

Stagflation der 1970er Jahre

Welche Auswirkungen eine Stagflation haben kann, zeigt sich deutlich am Beispiel der Stagflation der 1970er Jahre. Die OPEC (Organization of the Petroleum Exporting) setzt sich aktuell aus 13 Mitgliedern zusammen, die gemeinsam über etwa Dreiviertel der weltweiten Erdölreserven bestimmen. Da sich im Nahen Osten politische Spannungen abzeichneten, reduzierte die OPEC die Ölförderung, was zu einer Verdoppelung des Ölpreises zwischen 1973 und 1975 führte.

In den westlichen Industrienationen stieg die Inflationsrate daraufhin stark an, ebenso die Arbeitslosenquote. 1979 beziehungsweise 1980 kam es zu einer weiteren Stagflation. Der Ölpreis entspannte sich erst wieder Mitte der 1980er Jahre.

Ölpreisschock Mitte 2000er Jahre

Im Jahr 2002 stieg der Ölpreis wieder an und erreicht seinen Höhepunkt zwischen 2006 und 2008. Interessanterweise kam es hier nicht zu einer Stagflation – warum ist aus volkswirtschaftlicher Sicht noch nicht abschließend geklärt.

Eine Theorie ist, dass gleichzeitig die Energieeffizienz anstieg, die zu einer Halbierung der Ölpreise führte.
Die meisten Experten gehen davon aus, dass wir durch reines Glück der Stagflation entgangen sind.

Stagflation in der Coronakrise?

Durch die weltweite Pandemie gibt es wieder typische Anzeichen einer Stagflation. Einige Ökonomen und Volkswirte haben bereits düster anmutende Vorhersagen getätigt, halten eine Stagflation durchaus für möglich. Die Kombination folgender Zustände könnten für eine Stagflation sorgen:

  • Massiv gestiegene Energiepreise
  • Einbruch bei Industrieaufträgen und Produktion
  • Materialengpässe, unterbrochene Lieferketten
  • Steigende Preise in den Geschäften
  • Geringere Nachfrage aus China, USA, Indien
  • Neue Welle der Corona-Pandemie
  • Forderungen der Gewerkschaften nach höheren Löhnen
  • Anhebung des Mindestlohns

Gegen eine Stagflation spricht die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt, die mit der der 1970er Jahre nicht zu vergleichen ist. In Deutschland besteht nach wie vor ein Fachkräftemangel. Die deutschen Lagerhallen sind vielerorts leer, zahlreiche Aufträge müssen aktuell warten.

Jahr Verbraucherpreisindex Veränderung zum Vorjahr
2017 102,0 +1,5
2018 103,8 +1,8
2019 105,3 +1,4
2020 105,8 +0,5
2021 109,1 +3,1
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Stand: 21.09.2022

Das spricht für einen wirtschaftlichen Aufschwung und dementsprechend gegen eine Stagflation. Auch sind heutige Verbraucher nicht mehr in dem Ausmaß von Energie abhängig, wie es in den 1970ern der Fall war.

Stagflation in der Zukunft?

Einige Experten sehen Deutschland in der Zukunft vor weiteren wirtschaftlichen Herausforderungen, die zu einer Stagflation führen können. Zum einen kann der Umstieg auf grüne Energie zugunsten der Umwelt zu einer sogenannten grünen Stagflation“ (Greenflation) führen.

Konjunkturprogramme der Regierung zugunsten des Industrie-Umbaus, Atomausstieg, Abmilderung der Teuerungsraten oder Folgen eines Krieges können die Inflation verstärken. Senkt dadurch zugleich die Wirtschaftsleistung (Rezession), wurde hierfür der Begriff Rezflation geprägt.
Auch steht uns um das Jahr 2025 herum vermutlich eine Wirtschaftsstagnation bevor, die durch demografische Gründe bedingt ist. Immer mehr Menschen begeben sich in Rente, während immer weniger Erwerbstätige nachrücken. Obwohl statistisch gut vorhersehbar, drückt man sich bis dato wirtschaftspolitisch vor entsprechenden Maßnahmen. Je länger diese Verweigerung andauert, desto heftiger müssen später die Auswirkungen der Änderungen ausfallen. Vor allem in den Bereichen Altersvorsorge/ Rentensystem sowie Staatsverschuldung werden hier die größten Probleme gesehen.

Monatliche Veränderungsraten des Harmonisierten Verbraucherpreisindex in Deutschland (in %),
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Stand: 19.09.2022

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