Greenflation: Inflation durch die Energiewende?

Was ist eine Greenflation?

Als Greenflation wird in der Wirtschaft das Phänomen steigender Preise für die Umstellung auf grüne, umweltfreundliche Energie („Energiewende“) verstanden.

Die Wirtschaft muss sich dafür in Richtung Nachhaltigkeit neu aufstellen, was dazu führt, dass sich die Rohstoffkosten deutlich verteuern – automatisch oder/ und politisch gewollt. Das schlägt sich natürlich in den Energiepreisen und damit den Lebenshaltungskosten nieder, was zu einer Geldentwertung und damit Inflation führt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) unter EZB-Präsidentin Christine Lagarde verweigerte trotz klarer Inflationswerte das Bekenntnis hierzu. EZB-Direktorin Isabel Schnabel gestand aber ein, die EZB habe die explodierenden Energiepreise übersehen. Die Wende zu grünen Energiequellen beinhalte das Risiko einer mittelfristig höheren Inflation.

Es ist merkwürdig, dass die EZB die steigenden Energiepreise offenbar erst jetzt als große Inflationsgefahr erkennt, denn sie steigen ja bereits seit vielen Monaten.

Thomas Mayer (Volkswirt)

Ursachen einer Greenflation

Deutschland und andere Länder befinden sich auf dem Pfad weg von Atom- und Kohlekraftwerken hin zu sogenannter „grüner Energie“, also beispielsweise Solaranlagen sowie Wind- und Wasserkraftwerken. Zu erkennen ist diese neue nachhaltige Richtung nicht nur an der Fridays for Future-Bewegung, sondern unter anderem an der letzten Bundestagswahl, mit der es die Partei Bündnis 90/ Die Grünen in die Regierungskoalition geschafft hat.

Die sogenannte Ampel-Koalition setzt sich selbst und der Wirtschaft klare Ziele zum besseren Umweltschutz, um die selbst gesetzten Ziele Deutschlands bezüglich der Erderwärmung zu erreichen. Dabei steigt allerdings bei vielen auch die Besorgnis um eine Greenflation an.

Diese Umstellung ist mit Kosten für die Wirtschaft verbunden, die wiederum zu steigenden Energiepreisen führen. So müssen sich Unternehmen hin zu Nachhaltigkeit umstrukturieren, um wachsenden Anforderungen der Politik gerecht werden zu können. Hinzu kommen stark steigende Preise für Rohstoffe. So sind die Kosten für Metalle wie Aluminium, Nickel, Zinn, Kupfer und Kobalt alleine im letzten Jahr stark gestiegen. Die Rohstoffpreise steigen dabei weltweit, die Greenflation ist also nicht auf Deutschland beschränkt.

Gleichen Skaleneffekte die Greenflation aus?

In Zukunft rechnen Experten wie der stellvertretende Generaldirektor der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) Gauri Singh damit, dass sich die Greenflation durch Skaleneffekte ausgleichen lassen.

Der Effekt „Economics of scale“ tritt dann auf, wenn beispielsweise Solarpanels zu einer großen Anzahl und damit zu einem geringeren Preis produziert werden können. Kosten, die reduziert werden, sind beispielsweise Zahlungen für Genehmigungen, Arbeitskosten bei der Installation und anfallende Kosten bei der Kundenakquisition. Das alles wirkt der Greenflation entgegen.

Sinkende Finanzierungskosten haben bewirkt, dass aktuelle wirtschaftliche Probleme wie Inflation und unterbrochene Lieferketten ausgeglichen werden konnten. Im vergangenen Jahr wurde ein Rekordwert von 260 Gigawattstunden aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen.

“You will not actually get cheap money for anything that’s a climate risk. Whereas for renewables, the market is softening.“

Gauri Singh

Hier stimmt ihm auch Harry Boyd Carpenter, Geschäftsführer für grüne Wirtschaft und Klimawandel bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) zu. Die sinkenden Gesamtkosten für die Branche der grünen Energie sind bedingt durch wenige Hindernisse für den Skalierungseffekt. Der Markt werde sich laut Ökonomen bis zum Jahr 2030 knapp 2 Billionen US-Dollar verdoppeln.

Fazit

Die Greenflation ist ein reales Problem, dass allerdings keine langfristigen Auswirkungen auf die Wirtschaft in Deutschland haben dürfte. Die steigenden Kosten machen grüne Energie nicht unwirtschaftlich.
Denn man muss zum Vergleich die Kosten heranziehen, die entstünden, wenn man die Energiewende nicht forciert.

Manche Experten wie Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität, sprechen sich daher explizit für die Greenflation aus, die er für „willkommen und notwendig“ hält.

Robert Hartl
Robert Hartl

Robert Hartl studierte Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften sowie Caritaswissenschaft und werteorientiertes Management in Regensburg und Passau. Als Lehrerkind versucht er alle Hintergründe und Zusammenhänge zu verstehen. Beim Thema Inflation oder Deflation war das oftmals besonders knifflig. Daher diese Webseite.

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