Inflation ↔ Deflation in 2021/ 2022?

Erklärung, Bedeutung, Messung und Entwicklung

Inflation: was spricht dafür

Nach der Finanzkrise und Corona-Krise führen die massiven neuen Staatsschulden zu weiteren Milliarden an Staatsschulden. Drohende Staatspleiten in der EU, Rezession in den USA, instabile chinesische Konjunktur, Währungskrise, Lieferengpässe, Anleihekäufen der EZB sind nur einige Stichwörter, die uns beinahe tagtäglich in den Nachrichten begegnen. Folglich fürchten viele Anleger und Sparer um ihr Vermögen und ihre Altersvorsorge (Inflationsangst). Denn je nach Expertenmeinung drohe eine enorme Geldentwertung, da die Staaten dadurch ihre Schulden (leichter) tilgen können. Der Staat druckt einfach Geld und bringt dieses zusätzliche Geld in den Wirtschaftskreislauf, was vor allem bei Anleihen zu einer enormen „Blase“ geführt hat. Risiko und Folge: die Preise für Immobilien, Güter und Dienstleistungen steigen, die Kaufkraft des Geldes schwindet. Die Folge Geldentwertung (Inflation).

Deflation: was spricht dafür

Die Staaten mussten bislang nicht im befürchteten Maß neues Geld in die Wirtschaft pumpen, die aktive Geldmenge (M3) stagniere, da die Finanzhilfen vorwiegend nur Bilanzwerte der Unternehmen aufbessern aber nicht im Wirtschaftskreislauf ankommen würden. In Deutschland sowie in der EU kühle zudem der wirtschaftliche Aufschwung nach Corona-Krise ab, wodurch die eigentlichen Inflationstreiber wie Steuern und Energiepreise moderat bleiben. Auch bremst sich die Konjunktur in China wieder ein, sodass sich die Dynamik des Wachstums abschwäche. Die desolate Finanzsituation zahlreicher Staaten wie USA rüttelt jedoch an deren Fundament. Dadurch trete das Inflationsszenario nicht ein, die Waren und Dienstleistungen sowie die Verbraucherpreise der Deutschen stagnieren bzw. sinken. Die Folge: die Kaufkraft des Geldes steigt (Deflation).


Verbraucherpreisindex & Vorhersage

In den Nachrichten bezieht sich Inflation bzw. die Inflationsrate meist auf den Verbraucherpreisindex. Dieser soll mithilfe eines Warenkorbs die Entwicklung der durchschnittlichen Verbraucherpreise abbilden.

Veränderungsraten des Harmonisierten Verbraucherpreisindex in Deutschland verglichen mit dem Vorjahresmonat (in %),
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Stand: 18.11.2021
Jahr Monat Harmonisierter Verbraucherpreisindex Veränderungsrate zum Vorjahresmonat Veränderungsrate zum Vormonat
2021 August 109,8 3,4 0,1
2021 September 110,1 4,1 0,3
2021 Oktober 110,7 4,6 0,5
Harmonisierter Verbraucherpreisindex und Veränderungsraten in % der letzten 3 Monate,
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Stand: 18.11.2021

In Deutschland lag die Inflationsrate je nach Warenkorb und Messung die letzten Jahre meist zwischen 0 % und 2 %, seit 2021 auch deutlich über 2 %. Wie es 2021 und 2022 weiter geht, kann jedoch keiner sicher vorhersagen.
Daher sollte man Fakten und fundierte Meinungen sammeln und sich selbst eine überlegte Meinung bilden und dann nach bestem Gewissen handeln. Inflation-Defaltion.de erläutert mögliche Szenarien, stellt Zahlen, Statistiken und Expertenmeinungen vor und informiert über aktuelle Meldungen und News zum Thema – nicht mehr nicht weniger.

Jährliche Veränderungsraten des Harmonisierten Verbraucherpreisindex in Deutschland (in %),
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Stand: 18.11.2021

Inflation Definition

Inflation bedeutet Geldentwertung. Die Kaufkraft des Geldwertes sinkt. Da der Geldwert (Zahlwert auf Münzen und Scheinen) gleich bleibt, steigt das Preisniveau, Produkte werden teurer.

Deflation Definition

Deflation ist praktisch die Gegenseite der Inflation. Das Preisniveau sinkt, die Produkte werden also billiger, wodurch die Kaufkraft des Geldes steigt.

Inflation einfach erklärt (Video)

Inflation einfach erklärt (explainity® Erklärvideo)
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Deflation einfach erklärt (Video)

Deflation einfach erklärt (explainity® Erklärvideo)
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Folgen, Auswirkungen einer Inflation

Insbesondere langfristige Anlagen wie beispielsweise eine Altersvorsorge verlieren durch eine höhere Inflation einen großen Teil ihres Wertes. Anleger und Sparer sind also die Leidtragenden der Folgen einer höheren Inflation, weil ihre Ersparnisse entwertet werden.
Umgekehrt führt ein niedriger Leitzins – und damit ein höheres Inflationsrisiko – dazu, dass Banken billigere Kredite an private und gewerbliche Investoren vergeben können. Auf diese Weise kann ein höheres Wirtschaftswachstum erreicht werden.
Ein weiterer Effekt einer höheren Inflation besteht darin, dass nicht nur Geld, sondern auch Schulden an realem Wert verlieren. Dies betrifft auch Staatsschulden, weswegen einige Regierungen höhere Inflationsraten deutlich weniger kritisch sehen als die deutsche Regierung.
Schließlich verbessern sich auch die Exportchancen eines Landes durch eine höhere Inflation, da die produzierten Waren für Kunden billiger werden, die in anderer Währung zahlen. Beispiel: Wenn ein Kunde aus den USA für 1.000 Euro Güter im Euroraum kauft, zahlt er in Wahrheit den Gegenwert von 1.000 Euro in Dollar. Sinkt der Wert des Euros, wird die Ware aus dessen Sicht günstiger. Im Gegenzug werden aufgrund derselben Logik Importe aus den USA nach Europa teurer.

Was tun bei drohender Inflation oder Deflation?

Wer an Geldanlage und Altersvorsorge über einen Anlagezeitraum von mehreren Jahren denkt, muss sich über Inflation oder Deflation Gedanken machen. Denn beide Effekte haben deutlichen Einfluss auf die spätere Kaufkraft des Geldwertes.

Historische Prägung in Deutschland

Inflationsraten über 2, 3 % werden in verschiedenen Ländern unterschiedlich beurteilt. Die deutsche Sichtweise zur Inflationsrate ist nach wie vor von der historischen Erfahrung der Hyperinflation in den Jahren 1922 und 1923 geprägt, in deren Verlauf sich die Preise für alltägliche Güter wie Brot wöchentlich vervierfachten. Andere Staaten wie z.B. die USA sind eher bereit, eine höhere Inflation zu akzeptieren.

Wissenswertes und Mythen zur Deflation/ Inflation

Inflation ist nicht gleich Inflation. So gibt es zahlreiche Messmethoden und Theorien zu Ursachen und Auswirkungen einer Inflation. Daher muss man immer aufpassen, worauf sich eine Inflationsrate konkret bezieht, welches Messsystem dahinter steht und vor allem wer Herausgeber der Statistik ist.

  • In den Nachrichten bezieht sich Inflation meist auf den Verbraucherpreisindex. Dieser soll mit Hilfe eines Warenkorbs die Entwicklung der durchschnittlichen Verbraucherpreise abgebildet werden.
  • Diese Vereinfachung verfälscht die gemessene Inflationsrate. So entsteht das Phänomen der gefühlten Inflation, bei der subjektiv die Preissteigerung (Inflation) höher als gemessen empfunden wird.
    Das entsteht maßgeblich durch die Produkte des Warenkorbs inkl. der so genannten Hedonischen Preisbereinigung, welche Produktverschlechterungen wohl zu wenig berücksichtigt. Die tatsächlichen Lebenshaltungskosten entsprechen damit nicht dem statistischen Warenkorb und nicht der gemessenen Inflation/ Deflation.
  • Inflation ist aber auch ein Politikum, wodurch die statistische Messung der Inflation oder Deflation skeptisch betrachtet wird.
  • Bei der Berechnung der Deflation bzw. Inflation werden üblicherweise Immobilienpreise beispielsweise nicht berücksichtigt.
  • Auch die Entwicklung der Geldmenge fließt praktisch aber nicht in der üblichen Statistik in die Inflation mit ein.

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